Oktober

  • Grußwort: Gräben ziehen und Brücken bauen

    Die Wahl ist gelaufen. Wir haben wieder Demokratie geübt und Gesellschaft mitgestaltet. Die Zeit davor war wie immer geprägt von Wahlkampf. Eigentlich eine wichtige und spannende Zeit für eine demokratische Gesellschaft. Es ist die Zeit der großen Diskussionen, der Argumente und der Angriffe auf den vermeintlichen politischen Gegner.

    Gräben werden aufgerissen, Positionen abgesteckt und die Unterschiede herausgestellt.

    Das gehört nun mal zu einer Demokratie.

    Genauso gehört aber zur Demokratie, dass man genauso jederzeit fähig ist Brücken zu bauen, aufeinander zu zugehen.  Vor allem nach einer Wahl.

    Was ist eigentlich schwerer? Gräben zu ziehen, oder Brücken zu bauen?

    Die Antwort fällt leicht. Um einen Graben zu ziehen, brauche ich nur eine Schaufel, einen  Bagger vielleicht, wenn er besonders tief und breit werden soll. Um einen Graben zwischen Menschen zu ziehen, bedarf es nicht vieler Worte. Einfühlungsvermögen und Feingefühl kann ich weglassen. Nachdenken lohnt nicht.

    Bei einer Brücke sieht das ganz anders aus. Eine Brücke muss tragfähig sein. Sie muss etwas aushalten. Eine Brücke soll Menschen miteinander verbinden, Wege abkürzen und Hindernisse überwinden. Dazu bedarf es der Planung und des Zusammenspiels vieler. Der Ingenieur macht den Plan, der Statiker berechnet die Tragfähigkeit, der Geologe prüft den Untergrund für die Fundamente. Und dann wird über das Material und die Bauweise entschieden. Hängebrücke, Bogenbrücke, Stahlkonstruktion oder Beton. Es wird viel geplant und Hand in Hand gearbeitet.

    Um Brücken zwischen Menschen zu bauen, ist der Aufwand nicht kleiner. Vor allem wenn die Gräben vorher tief waren. Um Brücken zwischen Menschen zu bauen, braucht man viele Einzelschritte: Vorurteile müssen überwunden werden, ein gemeinsames Ziel sollte im Blick sein, die Verschiedenheit des Anderen muss ich lernen zu akzeptieren. Brücken zwischen Menschen bauen heißt auch, zu neuen Ufern aufbrechen. Hoffnung, Versöhnung, Vertrauen, gut miteinander streiten um den rechten Weg. Kompromissfähigkeit und Geduld erhöhen die Tragfähigkeit jeder Brücke enorm. Diese Fähigkeit brauchen wir zur Zeit an vielen Stellen. In der Politik und mindestens genauso viel in unserer Kirche.

    Einen hervorragenden Brückenbauer gab es bereits in der Menschheitsgeschichte. Jesus von Nazareth.  Er hat vorgemacht, wie man streiten kann, ohne Gräben aufzureißen. Klare Positionen hat er vertreten, auch gegen die vorherrschende Meinung. Zuhören konnte er und auf Menschen zugehen. Auch wenn Sie zu den Ausgestoßenen der Gesellschaft gehörten. 

    Und nie hat er einen seiner Gegner diffamiert oder beschimpft.

    Bis heute gibt es die Brücken, die er gebaut hat. Sie sind tragfähig und es lohnt sich drüber zu gehen.

    Hubertus Kesselheim
    Pastoralreferent in der Polizeiseelsorge 

September

  • Grußwort: "Das Lied des Lebens"

    In unserer Gemeinschaft ist es wie mit einem Orchester. Die Musiker müssen gut aufeinander hören. Es geht nicht, dass einer viel schneller spielt, sodass die anderen nicht mehr mitkommen. Es geht auch nicht, dass eine ganz laut spielt, sodass man die leiseren Instrumente nicht mehr hört. Damit eine schöne Melodie entsteht, müssen die Musiker gut zusammenspielen. Dabei ist jede Stimme, jeder Ton, jedes Instrument wichtig und schön. So ist das auch in den Gemeinschaften, in denen wir leben, in der Familie, in der Schule, auf der Arbeit oder in der Freizeit. Wir alle sind aufeinander angewiesen und es ist schön, wenn wir rücksichtsvoll und verständnisvoll mit dem anderen umgehen, wenn wir wie Musiker auf den anderen hören. Wie die Instrumente in einem Orchester oder die Stimmen in einem Chor, sind auch wir unterschiedlich. Und das ist auch gut so! So können wir uns gegenseitig bereichern.

    Wir alle sind Gottes Kinder und wissen: Gott hat mich gern. So wie ich bin, mag er mich. Deshalb brauchen wir auch keine Angst zu haben, weil wir darauf vertrauen dürfen, dass Gott immer bei uns ist. Er lässt uns nicht allein, egal ob wir mit lauter Stimme fröhliche Lieder singen oder ganz kleine und leise Töne hervorbringen. Er nimmt uns an in unserer Unterschiedlichkeit. Mit seiner Hilfe können wir unser Leben und das unserer Mitmenschen zum Klingen und zum Schwingen bringen. Gott lädt alle ein mit einzustimmen in das Lied des Lebens.

    So heißt es in einem Lied: „Du bist ein Ton in Gottes Melodie, ein süßer Ton in seiner Symphonie.
    Ob Dur, ob Moll, ob leise oder laut, mach dich mit Gottes Melodie vertraut. Hier bist du willkommen, keiner ist zu klein. Hier wirst du ernst genommen, genauso soll es sein.“

    Andrea Nörling, Gemeindereferentin

August

  • Grußwort: Mit Maria in den Himmel

    Am 15. August feiern wir das Fest „Mariä Himmelfahrt“ – ein Fest, das zumindest hier in unserer Gegend fast unbemerkt an uns vorüber geht, vielleicht auch, weil es kein gesetzlicher Feiertag ist, so wie im Saarland oder gar in Frankreich und Italien.  

     

    Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mich fordert gerade dieses Fest immer wieder heraus. Vielleicht auch deshalb, weil es bei den Menschen so viele Vorstellungen von und Beziehungen zu Maria gibt. Und dann ist da der offizielle Name dieses Hochfestes: die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel. Da gefällt mir persönlich ein anderer Name besser, der mancherorts gebraucht wird: großer Frauentag. Vielleicht hat das damit zu tun, dass religiöse Feste fremd und nichtssagend bleiben, wenn wir sie nicht in eine Beziehung zu unserem eigenen Leben setzen.  

    So ist Maria für mich eine große Frau und das Thema des Festes hat einen engen Bezug zu unserem Leben. Als junge Frau erfährt sie, dass sie den Messias gebären soll. Sie weiß nicht, wie ihr Verlobter auf diese Schwangerschaft reagieren wird. Sie bringt ihren Sohn in einem Stall zur Welt, erlebt wie dieser dem Elternhaus den Rücken kehrt und im Land umherzieht und predigt, wie er schließlich verhaftet wird und einen schmachvollen Tod stirbt. Wo manche von uns misstraut hätten, verzweifelt wären, erfahren wir im Evangelium, dass Maria eine alles entscheidende Antwort gibt: „Mir geschehe, wie du gesagt hast“. Diese Antwort beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Hätte ich mich nicht gewehrt? Hätte die Dinge in die Hand genommen, erklärt, dass das ein Irrtum sein müsse? Aber Maria zeigt uns hier, auf welchem Weg wir das Ziel erreichen: zum einen darin, manchmal etwas mehr Demut walten zu lassen, aber auch in der Erkenntnis, dass es sich lohnt, auf Gott zu vertrauen. Nicht das „Ich-will-aber…“ sondern das „Mir-geschehe“ ist von Gott belohnt worden. Aus dem Vertrauen auf Gottes Wille, aus dem „Mir geschehe, wie du es willst“ wächst eine unglaubliche Kraft zur Veränderung der Welt. Offen zu sein für Gottes Wille, bereit zu sein für seinen Plan, auch wenn es schmerzt, das wünsche ich mir oft. Maria, die diesen Willen Gottes annimmt, wird von ihm in den Himmel aufgenommen und zeigt uns damit, dass dieser Himmel uns allen offen steht, wenn wir versuchen, den Spuren Marias zu folgen. Das bedeutet für mich, dass auch der Schmerz uns dazu anleiten kann, in der Liebe zu wachsen und aus dieser Liebe heraus, das Leben anzunehmen mit all seinen Facetten. Dazu muss ich mich in die Hände dessen begeben, auf den ich voll und ganz vertrauen darf. Er meint es gut mit mir. 

                                                                                                                        Margret Stommel

  • Grußwort: Lichtblicke

    Coronapandemie: Delta Variante des Virus auf dem Vormarsch. Schwere Unwetter und Hochwasser in Deutschland. Zahl der Toten und Vermissten steigt. Lebensgrundlage vieler ist zerstört. Sorgen, die erdrücken. Ängste, Stress, Hektik, Einsamkeit, Unfälle, Trauer, Krankheiten und Tod. Gerade in den letzten Monaten und Tagen gab es immer wieder schlimme Nachrichten und traurige Ereignisse, die wir zu beklagen hatten.
    Zu jedem Leben gehören nicht nur die schönen, die hellen Tage und Ereignisse. Das weiß auch die Bibel. Der berühmte Psalm 23 spricht von einem Wanderer, der eine finstere Schlucht hinter sich bringen muss. Solche finsteren Schluchten tauchen plötzlich auf unserem Weg auf. Es gibt keine Vorwarnung. Es können Krankheiten sein, ein schwerer Schicksalsschlag, Unfälle oder Unwetterkatastrophen, wie es erst kürzlich hier in Deutschland der Fall war. Plötzlich stehe ich vor so einer finsteren Schlucht. Vielleicht fürchte ich mich weiter zu gehen und die Schritte hindurch zu wagen. Doch wenn ich mich jetzt einfach setze, nicht weitergehe, dann bleibe ich für immer an diesem Punkt, vor der Dunkelheit, mit Blick auf diese finstere Schlucht, die mir solche Angst bereitet.
    Es braucht Mut, um eine solche Schlucht anzugehen. Wie tröstlich, dass der Psalm an dieser Stelle nicht zu Ende ist. Er geht noch weiter. Denn derjenige, der die Schlucht durchqueren muss, ist nicht alleine „ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.“ (Ps 23,4) Gott geht mit, er ist da. Er weiß um meine Sorgen. Das können wir auch noch an einer ganz anderen Stelle im neuen Testament sehen. In der Emmaus-Geschichte. Die Jünger sind nach dem Tod Jesu am Kreuz in tiefster Trauer unterwegs, wandern wohl auch gerade durchs finstere Tal und plötzlich ist da jemand, geht da jemand mit ihnen. Jemand, der zuhört, jemand, der mitgeht und den Schmerz teilt. Ein Lichtblick, jemand, der ihnen neuen Mut gibt und den sie verständlicherweise - am Ziel angekommen - dann auch noch länger um sich haben wollen. Noch bevor sie wissen, wer dieser Wegbegleiter ist, fühlen sie, dass dieses Gespräch auf dem Weg heilsam war und die Nähe dieses Menschen gutgetan hat.
    Solche Lichtblicke Gottes gibt es auch in unserem Leben immer wieder. Gott lässt auch uns nicht alleine im finsteren Tal. Und wenn ich in meinem Leben bisher zurückblicke, ist es auch wirklich so. Wenn ich einmal im finsteren Tal war, so war ich dort nie allein. Es gab immer Lichtblicke auf meinem Weg. Da war z.B. meine Familie, die mich so sehr liebt und unterstützt. Da ist mein Verlobter, der mir die Hand gibt, mich anlächelt und mir so einen Teil des Schmerzes nimmt. Der sagt, dass ich es nicht alleine schaffen muss, dass wir es zusammen schaffen. Da sind unsere Kätzchen, die mich mit ihrem Schnurren und dem weichen Fell an meiner Haut wieder auf den Boden bringen und mir ein Gefühl von Ruhe und Gelassenheit vermitteln. Da ist mein Glaube, der mir schon immer eine Laterne auf meinem Weg war, an die ich mich fest klammern durfte. Ich möchte Sie dazu einladen, einmal in sich zu gehen und gut zu überlegen, welche Lichtblicke gibt es in meinem Leben? Wo spüre ich, ich bin aufgehoben und kann es schaffen? Wo fällt der Lichtschein Gottes in meinem Leben?
    Denn schwere Zeiten wird es in meinem Leben immer wieder geben. Ich darf nur niemals vergessen, meine Lichtblicke aus den Augen zu verlieren.

    Ich wünsche den Opfern der Unwetter und Hochwasser ganz viel Kraft, dass sie ihre Lichtblicke finden und nicht aus den Augen verlieren. Und dass es weiterhin eine so große Bereitschaft zu helfen gibt.

    Es grüßt Sie herzlich,
    Alina Liesch, Gemeindereferentin

     

Juli

  • Grußwort: Miteinander und voneinander lernen

    Herzlich Willkommen zu unserer Internet Seite.

    Am 3. Juli haben wir das Fest des Apostel Thomas gefeiert. Im Jahre 52 n.Chr. kam der Apostel Thomas nach Indien und hat das Christentum nach Kerala gebracht. Auch heute werden die Christen in Kerala als Thomas-Christen bezeichnet. Unsere syro-malabarische Kirche hat etwa 3,5 Millionen Gläubige. Ein besonderes Kennzeichen dieser Kirche sind die zahlreichen Priester- und Ordensberufe. Rund 70% aller Priester und Schwestern in Indien gehören ursprünglich dieser Kirche an.

    Auch ich bin Mitglied der syro-malabarischen Kirche. Seit fast drei Jahren bin ich nun in Ihren Gemeinden. Seitdem arbeite ich hier bei Ihnen als Priester, der aus Indien kommt. Ich bin aufgewachsen und geprägt von der Frömmigkeit und Kultur Keralas. Bei uns in Kerala kennen sich die christlichen Familien und besuchen sich. Sie kümmern sich, wenn einer Hilfe braucht. Sie feiern ihre Feste zusammen. Das christliche Leben prägt ihre Familien. Unsere Pfarreien sind sehr lebendig – sie sind Netzwerke, die alle tragen.

    Vor einigen Jahrhunderten sind europäische Missionare nach Indien gekommen um uns das Evangelium zu verkünden. Heute sehen wir viel stärker als in früheren Zeiten, dass wir voneinander lernen können. Wenn wir uns als Schwestern und Brüder Jesu betrachten, dann können und sollten wir unsere Begabungen und Erfahrungen miteinander teilen. Seit ich hier arbeiten darf, erfahre ich erneut: In einer Weltkirche haben viele Kulturen Platz und sie bereichern sich gegenseitig. Denn „wir alle sind Glieder am Leib Christi“ (1 Kor 12).  So lerne auch ich von Ihnen: die Zugänge zum Glauben sind vielfältig. 

    Ihr Pater Jijo Kunnumpurath

  • Grußwort: Schmetterlingsweisheit

    Es ist Sommer und für viele von uns ist dies auch die Zeit, an Urlaub zu denken oder zumindest mal die Seele ein wenig in der Sonne baumeln zu lassen. Dazu habe ich eine wunderbare Geschichte gefunden, quasi eine Anleitung Urlaub zu machen.

    Eine chinesische Weisheit zur Urlaubszeit, oder einfach zum Innehalten in all dem, was unser Leben so schnell macht: Fragt der Schüler seinen Meister: „Was ist das Glück?“  „Glück ist ein Schmetterling“, sagte der Meister. „Jag ihm nach, und er entwischt dir. Setz dich hin, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.“

    „Was soll ich also tun, um das Glück zu erlangen?“ fragte der ungeduldige Schüler

    „Hör auf hinter ihm her zu sein.“

    „Aber gibt es nichts, was ich tun kann?“

    „Du könntest versuchen, dich ruhig hinzusetzen, wenn du es wagst.“

     70 % unserer Lebenszeit verbringen wir mit Arbeit und schnelllebigem Tun.  Wie schnell doch die Zeit vergeht auf der anstrengenden Suche nach einem geglückten Leben. Und dann begegnet mir diese einfache Weisheit. Und wenn ich ehrlich mit mir bin, dann kann ich viele Momente in meinem Leben entdecken, in denen diese Weisheit lebendig wird: Ein kleines Kind mit einem Ball in der Hand will mit mir spielen. Mein Partner oder meine Partnerin nimmt mich einfach an der Hand, um mit mir in ein Konzert mit meinem Lieblingsmusiker zu gehen. Ein ehemaliger Freund, der mich einmal sehr verletzt hat, will mich um Verzeihung bitten. Die Sonne bricht durch die Wolken, findet mich am Seeufer sitzend und kann mich wärmen und mir guttun.

    All das kann geschehen, ohne dass ich danach suchen muss, ohne dass ich ihm hinterherlaufe. Aber eine wichtige Voraussetzung muss ich erfüllen. Ich muss da sein und ich muss Zeit haben.

    Und ich darf nicht besetzt sein mit all den anderen Dingen, die mein Leben bestimmen.

    Alles hat seine Zeit: Die Arbeit genauso wie die Ruhe, die Termine genauso wie das Nichtstun. Das Glück zu finden ist auch die Kunst des Loslassens und Sich-führen-lassens. Und die Kunst des Gottvertrauens kann nützlich sein auf dem Weg zum Glück. Was zweckfrei erscheint, ist fast niemals sinnlos.

    Ein herzlicher Gruß

    Hubertus Kesselheim

Juni

  • Grußwort: Johannistag – ein Fest zum Abnehmen

    Am 24. Dezember feiern wir die Geburt Christi und genau ein halbes Jahr später, am 24. Juni, feiert die Kirche den Geburtstag Johannes des Täufers. Neben Jesus und seiner Mutter Maria ist Johannes der einzige, dessen Geburtstag als Hochfest begangen wird. Und bei kaum einem anderen Heiligen hat sich rund um den Festtag ein so vielfältiges Brauchtum entwickelt wie beim Johannistag. Vielerorts werden Johannisfeuer entzündet oder Johanniskronen geflochten. Wir alle kennen das Johanniskraut, dessen Öl besondere Heilkräfte entwickelt, bei Hautverletzungen hilft und bei Niedergeschlagenheit und Depressionen empfohlen wird. Und noch etwas fällt auf: der Johannistag wird sehr passend mit dem Datum der Sommersonnenwende gefeiert.

    Was hat es mit all dem auf sich?

    Da ist dieser Johannes, der zu seiner Zeit als Täufer sehr bekannt ist, der das Unrecht anprangert und seinem Zorn auch mal freien Lauf lässt. Er ist der letzte Prophet des Alten Bundes. Die Menschen hören ihm zu, viele ändern ihr Leben und lassen sich taufen. Und als er eines Tages Jesus begegnet, geraten die beiden nicht in Streit, wie man hätte denken können, denn sie sind ja so etwas wie Konkurrenten, sondern Johannes sagt: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ (Joh 3,30) Dieser Satz des Johannes stellt den Bezug her zum Datum, an dem das Johannisfest gefeiert wird: ab jetzt werden die Tage wieder kürzer. Aber vor allem zeigt dieser Satz, dass Johannes genau den Augenblick wahrnimmt, in dem er sich diesem Jesus überlassen kann. Er macht ihm Platz, und das nicht nur räumlich, sondern vor allem in seinem Herzen. So wie damals weist er uns heute auf den hin, den wir in unserer Mitte nur allzu leicht übersehen.

    Wieviel Platz geben wir Jesus in unserem Herzen? Lassen wir ihn in uns wachsen? Sind wir bereit uns zurückzunehmen, um Platz zu schaffen für ihn?

    „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“

    Erinnern wir uns doch häufiger an dieses Johanneswort, dann schaffen wir es vielleicht, über uns hinauszuwachsen.

    Margret Stommel

     

  • Bolivien-Kleider-Sammlung

    Dankeschön

    In der Pfarreiengemeinschaft Mittlere Mosel fand vom 24. - 26.06.2021 die Bolivien-Kleider-Sammlung – Corona-bedingt als „Bringsammlung“ statt.
    Die Altkleider konnten unterhalb der Weinbrunnenhalle in Kröv abgestellt werden und wurden dann am Samstag, 26. Juni 2021 in den frühen Morgenstunden verladen und abtransportiert.
    Unser Dank geht an Ortsbürgermeister Thomas Martini, seine Mitarbeiter und die Gemeinde Kröv für die Bereitstellung des Sammelplatzes und die gute Zusammenarbeit. Weiterhin bedanken wir uns bei den Spendern der Kleider und bei den Helfern, die am Samstagmorgen den LKW beladen haben.

     

    Pressemitteilung Juni 2021

    „Bringen Sie uns Ihre alten Klamotten!“
    In diesem Jahr ist die Bolivien-Sammlung eine Bring-Sammlung

    Auch die Bolivien-Sammlung im Dekanat Wittlich ist von der Corona-Pandemie betroffen: 2021 wird sie nicht wie gewohnt als Haus- und Straßensammlung durchgeführt, sondern in Form einer Bring-Sammlung.

    In der Pfarreiengemeinschaft Mittlere Mosel können Sie Ihre Alt-Kleider gut verpackt in stabilen Müllsäcken am 24. bis 25. Juni 2021 unterhalb der Weinbrunnenhalle in Kröv abstellen.
    Der Abtransport der Säcke erfolgt in den frühen Morgenstunden am 26. Juni. Daher ist ein späteres Abstellen von Kleidersäcken nicht mehr möglich.

    Sammeltüten können dieses Jahr aus Kostengründen nicht verteilt werden.

    Durch die fehlenden Kleidersammlungserlöse vom letzten Jahr fehlt in Bolivien das Geld „vorne und hinten“. In dieser schweren Zeit kann eine Geldspenden ungemein weiterhelfen:
    Spenden können auf folgendes Konto überwiesen werden:
    Förderverein Bolivienpartnerschaft, IBAN: DE27 3706 0193 3006 9680 14, BIC: GENODED1PAX.

    Weitere Informationen hierzu gibt es bei Pastoralreferent Armin Surkus-Anzenhofer unter 0160/7490005, E-Mail: armin.surkus-anzenhofer(at)bistum-trier.de oder im Pfarrbüro Traben-Trarbach, Tel. 06541 6487, E-Mail: pfarramt.trtr(at)pfgmm.de

  • Grußwort: Das Senfkorn und die Begegnung im Bäckerladen

    In all den Jahren, in denen ich als Religionslehrerin gearbeitet habe, gehörte es immer wieder zum Lehrstoff mit den Kindern über das Reich Gottes zu sprechen. Ein für die Schülerinnen und Schüler schwieriger Stoff. Und nicht nur für sie – auch mancher Erwachsene fragt sich, wie er das mit dem Reich Gottes verstehen soll. Auch für Jesu Zuhörer vor zweitausend Jahren war es nicht einfach. Das wusste Jesus und hat deshalb vom Reich Gottes in Gleichnissen gesprochen. Eines davon hören wir am Sonntag im Evangelium:

    Das Reich Gottes gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass in seinem Schatten die Vögel des Himmels nisten können. (Mk 4,31f)

    Eines wird in diesem Gleichnis deutlich: das Reich Gottes in der Welt wächst auf geheimnisvolle Weise. Das kleine Samenkorn birgt eine ungeahnte Kraft in sich und bei allen Widrigkeiten, die wir erleben, dürfen wir auf Gott vertrauen und hoffen. Aber ist das alles, oder braucht das Wachsen und Werden des Reiches Gottes auch unser Zutun? Ich denke ja! Und da habe ich irgendwann im Winter einen kleinen Text in der Süddeutschen Zeitung entdeckt, der mich seitdem nicht mehr loslässt:

    Eine Bäckerei in Pfaffenhofen. Ein Vater steht mit seinem kleinen Sohn an der Kasse an, aber als sie mit dem Bezahlen an der Reihe sind, wollen seine Karte und das Lesegerät einfach nicht miteinander. Drei, vier Versuche schlagen fehl, keine Verbindung. Bargeld hat er nicht dabei, nicht mal einen Notgroschen, allzu moderne Zeiten. Ein Mann und eine Frau hinter ihm in der Schlange melden sich wie aus einem Mund. „Kann ich helfen?“ Die Rechnung beträgt acht Euro. Der nette Mann reicht dem entnervten Vater eine Zehn-Euro-Schein, endlich kann er bezahlen. Die nette Frau wiederum gibt dem netten Mann einen Fünfer. „Wir teilen, so haben wir zwei gute Taten getan“, sagt sie. Nun ist sie selbst an der Reihe, verlangt einen Laib Brot und einen Donut. „Der Donut geht aufs Haus“, sagt der Verkäufer – „jetzt sind’s drei gute Taten“.  (Klaus Bachhuber)

    Beginnt nicht so das Reich Gottes in unserem Alltag an jedem Tag neu?

    Margret Stommel

  • Grußwort: Fronleichnam

    Fronleichnam - wir müssen uns nicht verstecken

    Besonders intensive Erinnerungen habe ich an die Fronleichnamsfeste meiner Kindheit in meinem Heimatdorf. Tagelang vorher haben wir
    Kinder Blumen gesammelt, deren Blüten in Bottichen im kühlen Keller aufbewahrt wurden. Vor meinem Elternhaus bauten die Frauen am Vorabend zu Fronleichnam einen der vier Altäre auf, Blumenteppiche wurden gelegt und der gesamte Prozessionsweg wurde zu einer Allee
    aus frischem Birkengrün. 
    Der Festgottesdienst fand draußen statt und dann war das ganze Dorf singend und betend mit dabei, wenn die Monstranz mit dem Leib Christi durch die Straßen des Ortes getragen wurde.

    Vieles hat sich seitdem verändert. Und nicht selten müssen wir uns heute dafür rechtfertigen, wenn wir als Christen an einer Tradition wie Fronleichnam festhalten. Wird dieses Fest noch verstanden? Oder ist es nur eine schöne, nostalgische Erinnerung? Passt es noch in unsere Zeit?

    Fronleichnam – das Hochfest des Leibes und Blutes Christi – ist ein Fest der Freude, wir feiern, dass Christus in Brot und Wein lebendig ist.
    Aber wie können wir das an Fronleichnam und in unserem Leben spürbar machen?

    Unsere innere Überzeugung, unser Herz und unser Tun sind gefragt, sonst bleiben Monstranz und Blumen nur Äußerlichkeiten. Es geht darum, Christus in diese Welt hineinzutragen, seine Gegenwart spürbar zu machen auf den Straßen unseres Lebens. Und das bedeutet für mich heute, dass nicht die Monstranz das wichtigste Gut einer Fronleichnamsprozession ist sondern dass sie ein Symbol ist für Jesu Geist in unserer Mitte und in unseren Herzen. So wie wir an die Gegenwart Jesu in der Eucharistie glauben, so muss er in unserem Leben in unseren Herzen eine Rolle spielen, uns bewegen, so wie eine Prozession zeichenhaft in Bewegung ist. Fronleichnam ist ein Auftrag: Geht zu den Menschen und erzählt ihnen von der Botschaft Jesu. Tragt sie in den Alltag! Haben wir den Mut, unseren Glauben öffentlich zu leben! Haben wir den Mut, zu zeigen, dass wir als Kinder Gottes gemeinsam unterwegs sind, dass wir miteinander Sorgen und Nöte teilen und dass wir eine lebendige Gemeinschaft sind. Das funktioniert auch, wenn es wie in diesem Jahr Corona bedingt keine Prozession geben wird.

                                                                                                                                 Margret Stommel

  • Fronleichnam - Blumenteppiche Reil und Kinheim

Mai

  • Grußwort: Pfingsten

    „Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist“ (1. Korinther 12,4)

    Was macht uns besonders, bedeutend, einmalig? Diese Frage haben sich sicher schon viele von uns gestellt. Denn für keinen Menschen ist es schön beliebig zu sein und in der Masse von Menschen
    unterzugehen. Wir haben den Wunsch besonders zu sein, wichtig, wenigstens für ein paar Menschen in unserem Umfeld. Niemand mag es, übersehen zu werden.

    Manche Menschen fallen auf, indem sie ständig z. B. ihr Können unter Beweis stellen, durch langes Reden, durch auffallende Kleidung oder durch Lautstärke. Sie versuchen aufzufallen, um jeden Preis. Die Sache hat nur einen Haken: wenn es nur bei Äußerlichkeiten bleibt, haben diese sich schnell verbraucht und werden uninteressant. Das Gegenteil tritt also ein, da man nur besonders ist, weil man sich besonders macht.

    Aber wodurch werden wir denn dann einzigartig?

    Besonders und bedeutend werden wir durch die Art, zu lieben. Wir werden besonders in der Art und Weise unserer Zuwendung, der Freundlichkeit, der Liebe. Wenn es bei Paulus im Korintherbrief heißt, dass jeder Mensch Gnadengaben von Gott bekommen hat, sind wirklich wir alle gemeint! Diese Gnadengaben dürfen wir einsetzen zum Wohl aller. Wir sollen sie so einsetzen, dass Gottes Geist spürbar wird für unsere Mitmenschen. Jeder von uns hat die Gabe, diesen Geist auf seine oder ihre Weise auszudrücken.

    „Was ich kann, ist doch nichts Besonderes!“, werden sie vielleicht denken. „Was ich kann, können doch ganz viele!“ Oft mag es so aussehen, als könne jeder von nichts anderes, als unsere Mitmenschen und als wären unsere Gaben, die wir in unserem Alltag gebrauchen, beliebig. Fast so, als wären wir austauschbar.

    Bei genauerem Hinsehen, stimmt das aber nicht. So nämlich, wie mich meine Oma trösten konnte, konnte es niemand anderes, so wie meine Mutter mit mir gebastelt hat, konnte es niemand anderes und so wie mein Vater mir Dinge erklären konnte, konnte es niemand sonst. In der Art zu lieben sind sie in ihrem Tun einzigartig und besonders und bis heute bedeutend für mich!

    So stimmt es dann doch: Du bist einzigartig. Keiner kann dich ersetzen, in der Art, in der du liebst. Besonders und bedeutend macht uns unsere Art zu lieben. Deshalb lieben wir.

    Andrea Nörling, Gemeindereferentin

  • Grußwort: Christi Himmelfahrt

    Mama, wo ist der Himmel?

     

    Weißt du, wo der Himmel ist, außen oder innen?
    Eine Handbreit rechts und links, du bist mittendrinnen.

    Weißt du, wo der Himmel ist? Nicht so tief verborgen;
    Einen Sprung aus dir heraus, aus dem Haus der Sorgen.

    Weißt du, wo der Himmel ist? Nicht so hoch da oben;
    Sag doch ja zu dir und mir, du bist aufgehoben.
    (Text: Wilhelm Wilms)

     

    Wenn wir mit Kindern über verstorbene Menschen sprechen oder ihnen erklären möchten, wo Gott „wohnt“, sagen wir oft, er ist im Himmel. Dabei deuten wir und schauen nach oben in die Wolken. Aber wo ist der Himmel eigentlich?

    Anders als auf einem Globus gibt es für ihn keine genaue Ortsangabe. Wir finden ihn nicht, wie auf einer Karte genau verzeichnet. Und doch, ist er da.

    Wir sind mittendrin, im Himmel. Himmel meint also, alles, was uns umgibt, wie z.B. Menschen,  Tiere, Pflanzen, Sonne, Regen etc. Wir sind eingebettet in den Himmel. Aber Himmel gibt es auch in uns, denn er ist auch innen, wie es in dem Text heißt. Kann man den Himmel also spüren?

    Ich denke, damit sind auch unsere Gefühle gemeint. Mit Himmel verbinde ich gute, weiche, geborgene und schöne Gefühle. Die Gefühle, die mich glücklich machen. Zum Himmel in uns gehört für mich aber auch der Charakter und die Talente. Wir tragen ihn also bereits in uns. Es ist für mich alles, womit ich andere bereichern kann und womit ich bereichert werde.

    Das hört sich ganz einfach an, aber wir wissen selbst, dass es nicht ganz so einfach ist, zu spüren, wie himmlisch das Leben sein kann. Durch Selbstzweifel, Ängste, selbstauferlegte Anforderungen, Druck von außen oder Erwartungen schaffen wir es ganz leicht, unsere himmlischen Gaben zu vergraben. „Das war schon immer so“ oder „das klappt eh nicht“ sind Sätze, die mir dann im Ohr klingen.

    Dabei dürfen wir doch den „Sprung aus dem Haus der Sorgen“ wagen und über den Tellerrand schauen, um neue Möglichkeiten zu entdecken und Neues zu wagen. Und was ist das für ein tolles Gefühl, wenn wir uns aus unserem Schneckenhaus herausgewagt haben und dem Himmel eine Chance geben! Wenn wir frei handeln und denken! Unbeschreiblich!

    Natürlich können wir nicht alle Probleme lösen, denn „das Haus der Sorgen“ wird nicht einfach ausgelöscht. Aber unsere inneren Bremsen werden gelockert und wir ermöglichen uns eine andere Sichtweise auf die Welt, unsere Mitmenschen und unsere Probleme. Auch unsere Einstellung verändert sich.

    Das erinnert mich ein wenig an meinen Sohn, der vor kurzem Fahrrad fahren gelernt hat. Er war sich am Anfang noch nicht so ganz sicher, ob er es wirklich versuchen möchte, denn er wusste, dass es unter Umständen ganz schön wehtun kann, wenn es schief geht und er hinfällt. Er wollte aber unbedingt so schnell wie sein Freund fahren können. Zum Glück hat er es versucht und kann jetzt mit seinem Freund zusammen Fahrrad fahren! Für ihn ist das ein Stück Himmel.

    Geholfen hat ihm dabei sicher nicht nur sein Wunsch und sein Mut, sondern auch, dass er wusste, wenn es schief geht und ich falle, sind meine Eltern für mich da; sie fangen mich auf oder trösten mich, wenn ich mir weh getan habe. Und das mussten wir auch!

    So ist das auch für uns mit Gott. Wenn wir uns aus unserer Komfortzone herauswagen und Neues wagen, kann das auch schief gehen. Wir wissen dann aber, dass Gott uns auffängt und wir bei ihm geborgen sind. Er ist, wie wir bei unserem Sohn, neben uns um uns aufzufangen. Er hat das Zutrauen in uns, wie wir in unseren Sohn, dass wir es gut machen werden bzw. lernen werden um immer eingeübter zu sein. Gott traut uns zu, dass wir den Himmel und ihn spürbar werden zu lassen, denn nicht wo der Himmel ist, ist Gott, sondern wo Gott ist, ist der Himmel!

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Feiertag und den Mut, im Vertrauen auf Gott, Himmlisches zu wagen!

    Andrea Nörling, Gemeindereferentin

April

  • Grußwort: Ostern

    Liebe Mitchristen!

    Auf vieles, was sonst selbstverständlich ist müssen wir in der Zeit der Corona-Krise verzichten. Die allermeisten zwischenmenschlichen Kontakte sind auf ein Minimum heruntergefahren. Menschen können nicht in Gemeinschaft musizieren oder ihren Sport ausüben. Essen gehen oder sich in gemütlicher Gemeinschaft zusammensitzen ist im Moment nicht möglich. In Urlaub fahren geht leider auch nicht. Wir müssen im Moment alles tun, dass sich diese Viruskrankheit nicht noch weiter ausbreitet und sich weitere Menschen anstecken und teilweise sehr schwer erkranken oder gar sterben.
    Diese Zeilen schrieb ich zu Ihnen im letzten Jahr vor Ostern und sie sind leider in diesem Jahr noch genauso aktuell, wie im Letzten.

    Liebe Schwestern und Brüder,
    ein Satz aus dem Johannesevangelium, der am Gründonnerstag verkündet wird, gefällt mir in diesem Jahr ganz besonders und ist mir mehr aufgefallen als sonst. Er lautet: „Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung. (Joh, 13,1)“ Das ist ein großer Satz, der für mich alles ausdrückt, was Gott uns durch seinen Sohn Jesus Christus geschenkt hat. Das Größte, was uns Gott geschenkt hat ist seine Liebe. Er ist nicht nur die Liebe, sondern er schenkt sie weiter, besonders durch seinen Sohn Jesus Christus. Diese Liebe ist so groß, dass er seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern sogar den furchtbaren Tod am Kreuz zulässt. Er tut dies aus Liebe zu seinen Geschöpfen, um alles Böse aus der Welt zu nehmen. Das wäre jetzt schon ein großer Liebesbeweis Gottes, aber Gott möchte noch viel mehr. Sein Sohn kann das Grab nicht festhalten, sondern der Stein am Grab wird weggewälzt und er steht auf zu einem neuen Leben.

    Darum ist Ostern das größte Fest im Jahr. Wir feiern den Tod und vor allem die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Die Auferstehung Jesu ist die Mitte unseres Glaubens. Sie ist der Grund unserer Erlösung. Wer an die Auferstehung glaubt sieht über den Tod hinaus. Durch unsere Taufe sind wir hineingenommen in dieses Ereignis. Die Freude über die Erlösung soll in uns mächtig werden und unser Leben erfüllen. Gerade in dieser besonderen Zeit kann uns das wieder neu bewusst werden.

     

    Liebe Schwestern und Brüder!
    Von Herzen wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest. Nehmen wir alle in unser Gebet mit hinein, die heute besonders unser Gebet brauchen. Bitten wir Gott, dass er uns in dieser Zeit Kraft und Ausdauer schenke und vertrauen wir stets auf seine Nähe. Ich möchte schließen mit dem Tagesgebet des Ostersonntages:

    Allmächtiger, ewiger Gott,
    am heutigen Tag hast du durch deinen Sohn den Tod besiegt
    und uns den Zugang zum ewigen Leben erschlossen.
    Darum begehen wir in Freude das Fest seiner Auferstehung.
    Schaffe uns neu durch deinen Geist, damit auch wir auferstehen
    und im Licht des Lebens wandeln.
    Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
    Amen.


    Ihr Pfarrer Matthias Hermes

     

     

  • Grußwort: Durchkreuzter Frühling

    Endlich Frühling! Es treibt mich hinaus in die Natur. Auf meinen vielen Wanderungen und Spaziergängen in dieser Corona-Zeit freue ich mich ganz besonders, wenn ich an einem
    Wegkreuz vorbeikomme oder irgendwo eine kleine Kapelle entdecke.
    Es ist erstaunlich, wie viele es davon gibt.

    Oft tauchen solche Wegkreuze ganz unerwartet an Stellen auf, an denen man nicht mit ihnen gerechnet hat. Bei diesen „Begegnungen“ gehen mir immer wieder ganz unterschiedliche Dinge durch den Kopf: Wie schön, dass es sie gibt, diese Wegkreuze. Was mag die Menschen bewogen haben, sie zu errichten? Wie lange werden sie noch stehen? Wie schön, dass sie gepflegt werden. Das Entscheidende für mich ist aber ein Gefühl der Dankbarkeit, das ich jedes Mal spüre,
    wenn ein Kreuz am Wegesrand oder auf einer Anhöhe vor mir auftaucht. Dankbarkeit für all das, was ich auf meiner Wanderung sehen und erleben darf, Dankbarkeit für die Schöpfung, die sich gerade jetzt im Frühling von ihrer schönsten Seite zeigt. Und zugleich spüre ich eine Geborgenheit im Glauben, die darin zum Ausdruck kommt, dass Menschen schon so lange vor mir das Kreuz aufgestellt haben. Ich kann meinen Glauben teilen mit allen Menschen, die an diesem Kreuz vorbeigegangen sind und daran vorbeigehen werden.

    Das Kreuz mitten in der Natur rüttelt mich auf und zeigt mir die Begrenztheit meines Lebens. Es lässt einen ehrlichen Blick auf das Leben zu und ist zugleich ein Zeugnis der Hoffnung.
    Wegkreuze laden seit jeher zum Gebet ein oder wenigstens zu einem kurzen Gruß an den, der mit dem Kreuz gemeint ist.

    Dafür ist beim Vorbeigehen immer Zeit.

    Margret Stommel

März 2021

  • Grußwort: Kennen Sie Carlo Acutis?

    Ich vermute einmal, wenn sie nicht sehr aufmerksam die katholische Presse verfolgen, eher nicht. Der neue jugendliche Selige nennt man auch den Seligen des Internets.

    Carlo Acutis ist ein ganz normaler Junge: intelligent, sportlich, modern, aber er ist auch ein sehr frommer Mensch. Ein echter Christ

    Carlo Acutis ist immer normal geblieben, wenn auch mit unnormalen Eigenschaften. Er ist leidenschaftlicher Fußballfan, geht aber auch jeden Tag zur Heiligen Messe. Wie viele andere Jugendliche spielt er mit seiner PlayStation und schaut sich gerne Filme an. Er betet aber ebenfalls den Rosenkranz und liebt seinen Schutzengel sehr.
    Am 3. Mai 1991 wird er in London geboren, wo seine Eltern zu dieser Zeit arbeiten. Bald zieht die Familie zurück in die italienische Heimat nach Mailand, wo der Junge wohlbehütet und bestens aufwächst.
    Mit 11 Jahren beginnt er den wohl weltweit umfangreichsten Internetauftritt über eucharistische Wunder anzulegen. Bis heute wird diese Webseite vieltausendfach angeklickt und man kann sie in 18 Sprachen lesen. Er hat in seinem Portal 146 eucharistische Wunder dokumentiert.
    Er ist erst 15 Jahre alt, als ihn eine tödliche Krankheit ereilt. Er starb am 12. Oktober 2006 im italienischen Monza in Folge eines Krebsleidens. Carlo Acutis sieht dem Tod offen ins Auge. Er ist fest davon überzeugt, dass sein Leben weitergeht und es eigentlich jetzt erst beginnt.
    Auf seinen Wunsch wurde er in Assisi in der Kirche Santa Maria Maggiore beigesetzt. Am 10. Oktober 2020 wurde Carlo in der oberen Basilika des Hl. Franz von Assisi seliggesprochen. Bemerkenswert dabei ist, dass die Eltern bei der Seligsprechung ihres Sohnes zugegen waren. Das war für sie bestimmt ein ganz ergreifender Moment.
     

    Worte von Carlo Acutis:

    „Alle Menschen werden als Original geboren, aber viele sterben als Fotokopien.“

    „Die Heilige Eucharistie ist meine Autobahn zum Himmel.“

    „Wenn wir uns der Sonne zuwenden, werden wir braun, wenn wir in der Eucharistie vor Jesus stehen, werden wir heilig.“

    „Finde Gott und du wirst den Sinn deines Lebens finden.“


    Bitten wir den seligen Carlo Acutis, den Seligen des Internets um Fürsprache bei Gott für unseren neuen Internetauftritt.

    Matthias Hermes, Pfarrer

  • Kinderkreuzweg 2021

Februar 2021

  • Grußwort: Fastenzeit

    Gedanken zur Fastenzeit

    Am 17.02. beginnt für uns Christen die Fastenzeit; eine Zeit im Jahreskreis, die uns auffordern will, mit großer Ehrlichkeit auf die Wirklichkeit unseres Lebens zu schauen, auf das, was schiefläuft und auf das, was gut ist im eigenen Leben, in der Kirche, in der Gesellschaft und in der Welt. Die Fastenzeit heißt auch österliche Bußzeit. Und das klingt für viele Menschen heute altmodisch und düster-bedrohlich. Dabei ist das Gegenteil damit gemeint. Wir Menschen sind immer aufgefordert, unsere Handlungen zu reflektieren und daraus zu lernen. Zu erkennen, was gut ist und was schiefläuft. Die Fastenzeit gibt uns in jedem Jahr die Möglichkeit, dies bewusster und durch das Brennglas der Botschaft Jesu intensiver und zielgerichteter zu tun. Und nicht bei der Erkenntnis stehenzubleiben, sondern zu handeln. In diesem Jahr bietet uns das bischöfliche Hilfswerk Misereor eine Begleitung durch die Fastenzeit unter dem Motto "Es geht, anders!" an. Auf der Internetseite misereor.de findet man alle Infos dazu. Und wir sind eingeladen, uns zu informieren und uns anstoßen zu lassen. Das traditionelle Misereor "Hungertuch" ist in diesem Jahr besonders ausdrucksstark. Deshalb möchte ich es Ihnen hier schon einmal vorstellen:

     

     

    Basis des Bildes ist ein Röntgenbild, das den gebrochenen Fuß eines Menschen zeigt, der in Santiago de Chile bei Demonstrationen gegen soziale Ungleichheit durch die Staatsgewalt verletzt worden ist.
    Das Bild ist auf drei Keilrahmen, bespannt mit Bettwäsche, angelegt. Der Stoff stammt aus einem Krankenhaus und aus dem Kloster Beuerberg nahe München. Zeichen der Heilung sind eingearbeitet: goldene Nähte und Blumen als Zeichen der Solidarität und Liebe. Leinöl im Stoff verweist auf die Frau, die Jesu Füße salbt (Lk 7,37f) und auf die Fußwaschung (Joh 13,14ff ).

    Hubertus Kesselheim, Pastoralreferent

  • Klagemauer in St. Nikolaus, Trarbach

    Besuchen Sie die Klagemauer!

    Lassen Sie alles los, was Ihnen auf der Seele liegt. Schreiben Sie "Ihre Klage" auf einen Zettel und stecken diesen in die Klagemauer. Die Zettel werden - ungelesen - im Osterfeuer verbrannt.

Januar 2021

  • Grußwort: Mariä Lichtmess

    Was bleibt von Weihnachten?

    Weihnachten ist vorbei. „Schade“, sagen die einen, „Gott sei Dank“, die anderen.

    Für manche ist Weihnachten vorbei, wenn im Radio ganz plötzlich kein „Last Christmas“ oder „Driving home for Christmas“ mehr gespielt wird. Bei anderen darf der Weihnachtsbaum bis zum Besuch der Sternsinger am 6. Januar stehen bleiben. Vielerorts geht jedoch die Weihnachtszeit nach alter Tradition bis zum 2. Februar, obwohl die weihnachtliche Festzeit offiziell nach dem Tag der Taufe des Herrn endet (Sonntag nach dem 6. Januar). Auch in unserer Pfarrkirche werden die Weihnachtsbäume und die Krippe erst nach dem 2. Februar abgeräumt.

    Am 2. Februar wird es in der Kirche noch einmal festlich: wir feiern die „Darstellung des Herrn“, vielen aber geläufiger unter dem Namen „Mariä Lichtmess“. Lukas schreibt in seinem Evangelium davon, wie der greise Simeon und Hannah das Kind, das Maria und Josef in den Tempel bringen, als Erlöser erkennen. Für Simeon ist dieses Kind „ein Licht, das die Heiden erleuchtet“. So werden an diesem Tag die Kerzen für das ganze Jahr gesegnet und in manchen Kirchen findet eine Lichtprozession statt. Kein Wunder, dass diese Symbolik stark an das Weihnachtsfest erinnert und damit einen Abschluss der Weihnachtszeit darstellt.

    Was aber bleibt? Ich meine, es war in den letzten Jahrzehnten nie so deutlich zu spüren, wie an diesem Corona-Weihnachtsfest 2020: Es bleibt ein Verlangen, eine Sehnsucht – nach Liebe, Gemeinschaft, Verlässlichkeit und nach dem Licht, das für jeden von uns leuchtet. Dafür muss Weihnachten das ganze Jahr über einen Platz in meinem Leben haben. Gott kommt in mein Leben, in meine Welt und das nicht nur am 24. Dezember. Was wird anders, wenn ich das wirklich zulasse?

                    Wenn ich zu mir komme und das Außen loslasse
                    wenn ich aus dem Reden ins Hören komme
                    aus dem Tun ins Sein wenn ich mich stelle
                    und nicht länger flüchte dann erst
                    kann Gott zur Welt kommen in mir durch mich zu den Menschen

    (Aus: Schwarz, Andrea. Du Gott der Wege segne uns. Gebete und Meditationen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien o.J.)

     

    Margret Stommel